LANGUAGE

LANGUAGE

戦世の記憶

Über Okinawa

In der Schlacht um Okinawa betrug die Gesamtzahl der US- amerikanischen Streitkräften auf Okinawa alleine an Bodentruppen 183.000 Mann, und zusammen mit weiteren Hilfstruppen machten sie eine Gesamtstärke von 550.000 Soldaten aus. Damit überstieg sie die damalige Einwohnerzahl Okinawas (ca. 450.000 Menschen). Die diesen Truppen entgegentretende japanische Armee kam über eine knappe Heeresstärke von 100.000 Mann nicht hinaus. Außerdem bestand ein Drittel dieser Armee aus bloßen Auxiliar-Einheiten („Volkssturm“) und Schülertruppen (oder Schüler-Korps), die lokal rekrutiert wurden. Zudem waren die Amerikaner mit 1500 Kriegsschiffen sowie Waffen, Flugzeugen, Truppen und Nachschub in einer erdrückenden Übermacht. So war die US- amerikanische Seite der japanischen um das Zehnfache überlegen.

An der Schlacht um Okinawa hat auch die englische Kriegsflotte teilgenommen. Sie hat die Insel Miyako und die Inselgruppe Yaeyama sowohl von der See aus, als auch aus der Luft bombardiert.

Am 26. März landeten die US- Truppen auf den Kerema Inseln, und am 1. April erreichten sie das Gebiet um Yomitan, das im Zentrum der Hauptinsel Okinawas liegt. Die japanische Armee vermied allerdings ein Gefecht an der Landungsstelle, indem sie sich im Untergrund verbarrikadierte und eine Durchhaltestrategie verfolgte. Die Amerikaner rückten getrennt jeweils in den Norden und Süden der Hauptinsel vor. Die nach Norden vorstoßenden US- Truppen, welches Gebiet für die Bewohner Okinawas als Evakuierungsort bestimmt gewesen und in dem nur eine kleine Zahl von japanischen Truppen stationiert war, erreichten die nördlichste Spitze Cape Hedo bereits gegen Mitte April. Wegen des japanischen Militärflugplatzes „Tôyô ichi“ auf der Insel Ie, sind dort weitere US- Truppen gelandet und es kam zu erbitterten Kämpfen, in welche viele der Einwohner verwickelt wurden und zu Tode kamen. Die US- Soldaten, die indes nach Süden rückten, trafen auf heftigen Widerstand seitens der japanischen Armee und nach sich über 40 Tagen hinziehenden Kämpfen trafen sie auf die Verteidigungslinie der militärischen Kommandantur in Shuri. Am 11. Mai begannen massive Angriffe auf die japanischen Stellungen. Die Japaner zogen sich gegen Ende des Monats eilig nach Süden zurück und Shuri wurde von den Amerikanern eingenommen. In den Gefechten an der Shuri- Front kamen 60.000 japanische Soldaten ums Leben und das südliche Gebiet wurde in ein chaotisches Schlachtfeld verwandelt, in das sowohl die geflohene japanische Armee als auch Flüchtlinge hineingerieten. Der Artilleriebeschuss seitens der US- Truppen wird als „Taifun aus Stahl“ bezeichnet und war so heftig, dass er die Landschaft unwiederbringlich verwandelte. Mit dem Selbstmord von Kommandant Ushijima am 23. Juni (möglicherweise auch am 22.) war der systematische Kampf beendet. Jedoch wurde der Vernichtungskrieg fortgesetzt, da die japanische Armee nicht kapitulierte, und somit erklärte das US- Militär die Kampfhandlungen auf Okinawa erst am 02. Juli als beendet an.

Die traurige Besonderheit an der Schlacht um Okinawa ist, dass unter der Zivilbevölkerung weitaus mehr Opfer zu beklagen waren als unter den regulären, militärischen Einheiten. Mit Intensivierung der Kampfhandlungen kam es, neben den Todesopfern durch die ziellos abgefeuerten, US- amerikanischen und englischen Bombardierungen, auch vielerorts zur Ermordung von Zivilisten durch die japanische Armee selbst. Manche Einwohner Okinawas hatten ihre Zufluchtsorte verloren und sind vom US- Militär in Sicherheit gebracht worden. Dennoch glich Okinawa einer Hölle, denn es kam unter der Zivilbevölkerung zum Hungertod durch Nahrungsmittelmangel und zu erzwungenen Selbsttötungen und Morden. In der Schlacht um Okinawa mussten mehr als 200.000 Menschen ihr Leben lassen, wobei unter den Einwohnern über 94.000 und unter den Soldaten und Militärs mehr als 120.000 Opfer zu beklagen waren.

Zum Bild- und Filmmaterial von Zeitzeugenaussagen über die Erlebnisse in der Schlacht um Okinawa

Die Schlacht um Okinawa macht deutlich, dass moderne Kriege, bei denen Zivilisten zur Verteidigung mit schweren Waffen ins Kampfgeschehen verwickelt werden, viel größere Opfer unter der zivilen Bevölkerung fordern als unter den Soldaten. Im Friedensgedenkmuseum der Präfektur Okinawa werden seit seiner Gründung die Zeitzeugenaussagen gesammelt und präsentiert, um den nächsten Generationen mit Hilfe von diesen Kriegserlebnissen die Wahrheit und den Irrsinn über Krieg richtig mitzuteilen und einen Beitrag zur Realisierung von ewigem Frieden zu leisten.

In unserer Zeit, wo weltweit immer wieder an unterschiedlichen Orten kriegerische Konflikte entstehen und wieder verschwinden, ist es wichtig, die Erfahrungsberichte von Zeitzeugen nicht nur mit Menschen aus dem eigenen Land, sondern auch mit Menschen aus aller Welt zu teilen und über die Kostbarkeit von Frieden und dessen Schaffung nachzudenken. Und somit sind erstmals die Zeugnisse derer, die die Schlacht um Okinawa erlebt haben, in mehreren Sprachen verfügbar und in Bild- und Filmformat für die Öffentlichkeit zugänglich.

Zur Gründung des Friedensgedenkmuseums der Präfektur Okinawas

Ende März 1945 sind diese Inseln von einem in der Geschichte unvergleichbaren grausamen Krieg überrannt worden. Der 90 Tage andauernde sogenannte „Taifun aus Stahl“ hat die Berglandschaft der Inseln unwiederbringlich verändert, das Kulturerbe fast völlig zerstört und das wertvolle Leben von über 200.000 Menschen gekostet. Die Schlacht um Okinawa war ein Bodenkampf, in dem unter der japanischen Zivilbevölkerung einzig allein die Bürger Okinawas für den Krieg mobilisiert worden sind. Im gesamten Asiatisch-Pazifischen Krieg war es das weitaus größte und schwerste Gefecht.

Besonders in diesem Krieg auf Okinawa war, dass die Zahl der Todesopfer unter der zivilen Bevölkerung mehrere Zehntausend betrug und damit erheblich höher war als die unter den Soldaten. Einige dieser Opfer sind im Kugelhagel gestorben, einige sind in den Selbstmord getrieben worden und wiederum andere sind durch Hunger oder Malaria ums Leben gekommen. Und einige Zivilisten sind durch die vor den Amerikanern geflohene japanische Armee geopfert worden. Wir Bürger Okinawas haben inmitten einer unvorstellbaren extremen Situation die Brutalität und Absurdität des Krieges am eigenen Leib erfahren.

Während sich die Bürger Okinawas der Nachkriegszeit gegen die schwere Last der US- amerikanischen Militärherrschaft widersetzt haben, begründen eben genau diese Kriegserfahrungen die Herausbildung eines sogenannten „Herzens von Okinawa“. Das „Herz Okinawas“ beschreibt sinnbildlich ein Herz der Präfektur und seiner Bürger, das über allem die Menschenwürde schätzt und beschützen will, jegliche mit Krieg in Zusammenhang stehende Handlungen ablehnt, Frieden ersehnt und Menschlichkeit zum Ausdruck bringt.

Wir haben das Friedensgedenkmuseum der Präfektur Okinawa errichtet und die Kriegserfahrungen der einzelnen Bürger hier zusammengestellt, um für die Seelen der vielen Kriegsopfer zu trauern, den nächsten Generationen den Krieg geschichtlich wahrheitsgemäß zu vermitteln, allen Menschen weltweit unser „Herz“ mitzuteilen und einen Beitrag zur Schaffung ewigen Friedens zu leisten.

1975 (in Teilen korrigiert am 1. April 2000)
Präfektur Okinawa